Meine 6 größten Herausforderungen
als Mama

Teil 2

Teil 1 mit den Herausforderungen 1-3 finden Sie in meinem andern Beitrag

4. Herausforderung
Aushalten zu müssen, wenn meine Tochter leidet und ich ihr nicht helfen kann.

Gefühle gehören zum Leben und zum Mensch-Sein dazu. Die angenehmen wie Freude, Zufriedenheit, Stolz und Angenommen-Fühlen. Und die unangenehmen wie Ärgern, Frust, Angst, Enttäuschung und Wut.

Diese Gefühle haben und sie ausleben zu dürfen und mit der Zeit zu lernen, damit umgehen zu können, ist eine der wichtigsten Lernaufgaben von Kindern. Es sind unbedingte Voraussetzungen, damit ein Mensch in seinem Leben wirklich authentisch leben und auch glücklich sein kann.

Mein Verstand weiß das.

Mein Mama-Herz aber sehr oft nicht.

Zu sehen, dass meine Tochter in irgendeiner Form leidet, ist hart für mein Mama-Herz auszuhalten.
Wenn sie krank ist, wenn sie sehr traurig, verletzt oder enttäuscht ist – ich kann ihr nur bedingt helfen.
Da sein, trösten, zuhören, Hoffnung geben, ja.
Es ist so verlockend zu versuchen, sie von den unangenehmen Gefühlen irgendwie abzulenken, ihr zu sagen, dass sie nicht traurig oder enttäuscht sein soll. Dass es doch schöner ist, fröhlich zu sein.

Weil ich ja weiß, dass ich ihr damit auf keinen Fall helfen würde, sondern sogar schaden, mache ich es nicht. Sondern helfe ihr so gut es geht durch diese Gefühle. Helfe ihr, alleine da wieder rauszukommen und helfe ihr, daraus zu lernen. Mehr kann ich nicht tun.

Und das ist eine große Herausforderung für mein Mama-Herz.

 

 

5. Herausforderung
Das intensive Wahrnehmen eines anderen Menschen

Da ist so ein kleines Wesen, das zu Beginn und dann auch noch viele Jahre lang von mir (natürlich auch vom Papa 😁) abhängig ist.
Das meine Aufmerksamkeit und meine Fürsorge braucht um leben und sich weiterentwickeln zu können.
Das ich mit allem, was ich geben kann unterstützen und begleiten will.

Und dafür muss und will ich dieses kleine Wesen in allem wahrnehmen, was es mitbringt und braucht.

Und das jeden Tag – vielleicht wirklich nicht rund um die Uhr, aber doch an sooo vielen Stunden am Tag.
Anfangs, als meine Tochter ein Baby war, natürlich noch intensiver als jetzt, wenn sie schon viel besser für sich alleine sorgen kann.
Ein Baby und ein Kleinkind brauchen Erwachsene um sich, die in den ersten 18 Monaten bereit und in der Lage sind, eigene Bedürfnisse zurückzunehmen und sich intensiv und allumfassend um es zu kümmern.
Dieser Bedarf an Aufmerksamkeit und Fürsorge nimmt mit steigender Selbstständigkeit des Kindes ab.

Aber ist das jemals ganz vorbei?

Ich glaube es nicht.

Eigene, persönliche Erfahrung habe ich bisher bis zu dem Zeitpunkt, wenn das Kind in der weiterführenden Schule angekommen ist.
Und auch jetzt bin ich natürlich immer noch mit viel Aufmerksamkeit und Neugierde bei meiner Tochter. Wer ist sie? Was beschäftigt sie? Was braucht sie? undsoweiter…
Ich bin davon überzeugt, dass meine Neugierde auf sie als Persönlichkeit, meine Aufmerksamkeit für ihre Bedürfnisse und meine Bereitschaft, für sie da zu sein, niemals aufhören werden – egal wie alt sie jeweils ist.
Die Zeit pro Tag wird kürzer werden, je älter sie wird.

Das ist ein großartiges und unglaublich erfüllendes Erlebnis – so verbunden zu sein mit einem anderen Menschen.
Und im Alltag wirklich manchmal einfach anstrengend und herausfordernd für mich.

Es mag für viele andere Menschen keine Herausforderung bedeuten, für mich ist sie das schon.
> Mich selbst und meine Bedürnisse nicht aus den Augen zu verlieren.
> Entscheiden müssen, wann ist meine Bedürfnis und wann das meiner Tochter wichtiger, wenn beide Bedürfnisse nicht so ganz zusammen passen.
> Manchmal erst danach zu wissen, was „richtig“ gewesen wäre…

Ich nehme diese Herausforderung gerne an – jeden Tag aufs Neue

 

 

6. Herausforderung
Die Balance finden  zwischen Führen und Loslassen

Wann braucht meine Tochter klare Ansagen, Anweisungen – Führung also?
Und wann ist der beste Zeitpunkt, um in bestmmten Punkten loszulassen und sie ihre eigenen Erfahrungen machen zu lassen?

Diese Fragen habe ich mir von Anfang an gestellt und natürlich immer wieder Antworten gefunden – entweder durch klare Entscheidungen vorab („So mache ich das jetzt“) oder es ist auch mal im Alltag, im Dialog mit ihr entstanden.
Doch das ist nun mal Tatsache – mein Kind entwickelt sich. Und das bedeutet, dass diese Entwicklungen meine Entscheidungen irgendwann überholen. Gefühlt von einem Tag auf den anderen ist sie älter und reifer geworden und will mehr und mehr alleine ihre Erfahrungen machen.

Es gibt Themen, da ist es tatsächlich sehr einfach für mich. Thema Schule: Hier hat meine Tochter von Anfang an die Verantwortung bekommen und auch übernommen. Ich bin da und helfe selbstverständlich. Ich frage, was grad dran ist, was besprochen wird. Doch sie entscheidet – und trägt die Konsequenzen.

Es gibt auch Themen, da bin ich mit mir nicht so ganz einig. Medien zum Beispiel. Ich weiß, dass sie den sinnvollen Umgang damit lernen muss und auch soll. Doch wann lasse ich los und wann greife ich noch ein? Die Konsequenzen aus eventuell von ihr falsch getroffenen Entscheidungen können auch Ihre Gesundheit negativ beeinflussen. Und das will ich natürlich überhaupt nicht.

Wir wachsen gemeinsam schon seit einigen Jahren. Es ist immer ein spannender und herausfordernder Prozess, wenn sie mehr und mehr Loslassen von mir fordert (völlig zu Recht) und es mir wiederrum schwer fällt, dem nachzukommen.

Andererseits gab es schon Themen, da habe ich erst nach einer Weile gemerkt, dass ich eigentlich viel zu früh losgelassen habe und sie mit der Verantwortung völlig überfordert hatte. Und das ist schon auch hart, zu merken, dass mein Kind leidet und ich meinen Anteil daran habe (siehe Herausforderung Nr. 4). Inzwischen habe ich mir eine kleine Richtschnur zurecht gelegt, wie ich damit umgehe, wenn eine Übergabe der Verantwortung nahe liegt.

Erst versuche ich meine Erwartungen in dem Thema und mir meine Ängste und Sorgen bewusst zu machen. Die Ängste und Sorgen, die mich vielleicht überkommen, wenn ich mir vorstelle, dass ich in diesem Thema komplett loslasse. Dann sehe ich mir an, welche Konsequenzen es geben könnte. Die Konsequenzen, die eintreten können, wenn meine Tochter Entscheidungen trifft und mit denen ich vielleicht schwer leben kann. Dann spreche ich mit einem Erwachsenen darüber und dann mit meiner Tochter.
Erst dann lasse ich los – ganz oder teilweise.

Um dann manchmal festzustellen, dass ich mir eigentlich überhaupt keinen Kopf hätte machen müssen, weil sie es absolut souverän meistert.

Oder um dann manchmal festzustellen, dass es mir doch schwer fällt, wirklich los zu lassen. Und wieder eingreifen will.

Eine echte Herausforderung –  eine, die mich noch einige Jahre begleiten wird und wahrscheinlich noch größer wird, je älter sie wird.

 

 

Wir alle meistern die Herausforderung Kindererziehung irgendwie. Ich bin davon überzeugt, dass es leichter wird, wenn wir es ganz bewusst und achtsam machen.
Also, wo sind Ihre Herausforderungen? Schreiben Sie mir!
Hier in den Kommentar oder auf meiner Facebook-Seite. Ich freue mich darauf!

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