Dein Kind und die Zeit -Teil 1

FamilienAlltag leben

Dein Kind und das Zeitgefühl –

Teil 1 Kinder jünger als 6 Jahre

Teil 2 für Kinder älter als 6 Jahre im nächsten Blogartikel “Dein Kind und das Zeitgefühl – Teil 2”

 

Eine Geschichte aus dem Alltag von Lina

Lina bringt ihren 4-jährigen Sohn Nils morgens in den Kindergarten. Es ist herrliches Sommerwetter.

 

Sie sagt voller Freude zu ihm: „Hey, Nils es ist so schönes Wetter. Soll ich dich heute mal mit den Fahrrädern abhole und wir gehen dann noch kurz auf den Spielplatz?“ Begeistert stimmt Nils zu.

 

Als Lina mittags mit ihrem Fahrrad (an dem das Kinderrad von Nils mit einer Konstruktion befestigt ist) im Kindergarten ankommt, weigert sich Nils vehement dagegen, Fahrrad zu fahren. Er schreit Lina an: „Du fährst nach Hause und holst das Auto! Dann fahren wir mit dem Auto nach Hause.“

 

Wie würdest du reagieren?
  • Vielleicht mit der Entgegnung, dass Nils sich doch morgens für das Fahrradfahren entschieden hatte und er sich darum doch bitte auch an eine einmal getroffene Entscheidung halten soll?
  • Oder vielleicht mit dem Argument, dass es doch ökologisch und zeitlich komplett sinnlos ist, mit dem Fahrrad alleine nach Hause zu fahren, nur um dann mit dem Auto nochmal wieder zukommen?
  • Oder vielleicht mit der Drohung, dass es keinen Abstecher auf den Spielplatz gibt, wenn Nils nicht sofort vernünftig wird und auf sein Fahrrad steigt?
  • Oder vielleicht gar alle 3 Reaktionen auf einmal?

Das sind die üblichen Reaktionen der Erwachsenen. Auch Lina hätte vor unserer gemeinsamen Arbeit so reagiert. Mit dem Erfolg, dass Nils völlig ausgerastet wäre vor Wut und Frust. Sie wären irgendwann gemeinsam zu Hause angekommen – beide völlig fertig und genervt.

 

Kann ein 4-jähriges Kind mit diesen üblichen Entgegnungen etwas anfangen?
Nein, kann es nicht!

 

1. Aspekt: Das Gefühl für Zeit

Ein Kind bis ca. 6 Jahre hat absolut überhaupt kein Zeitgefühl, wie wir es als Erwachsene kennen.

Für Kinder in diesem Alter gibt es eigentlich nur eine Zeit, die sie wirklich begreifen, leben und verantwortlich gestalten können: Die Gegenwart.

Natürlich wissen sie und erleben sie, dass Erwachsene von gestern, von letzter Woche und von morgen, vom nächsten Weihnachten sprechen – doch wirklich begreifen und damit umgehen können sie nicht.

Das muss sich erst entwickeln; mehr dazu im 2. Teil.

Die Mutter hat Nils morgens nach einer Aktivität gefragt, die erst ein paar Stunden später stattfinden soll.

Nils weiß, dass Erwachsene mit „später“ oder „heute Mittag“ eine Zeit in der Zukunft meinen. Doch da er damit nicht wirklich etwas anfangen kann, antwortet er so, also ob es um jetzt sofort geht. Und jetzt sofort hat er total Lust, Fahrrad zu fahren und auf den Spielplatz zu gehen.

Die Fähigkeit, verlässliche und sinnvolle Entscheidungen zu treffen für Aktionen in der Zukunft, ist bei ihm als Kind unter 6 Jahren noch nicht vorhanden.

Kinder leben im Hier und Jetzt, je jünger um so intensiver.

Das ist übrigens auch etwas, was wir durchaus von unseren Kindern (wieder) lernen dürfen. Sie sind deshalb auch normalerweise so glücklich, zufrieden und in-sich-ruhend. Sie machen sich keine aktiven und bewussten Gedanken über vergangene Erlebnisse und auch nicht über eventuell auftretende Probleme in der Zukunft.

Klingt gut, oder?

Ja, ist es auch. Und es hat eben den Effekt, dass Kinder auch nicht für die Zukunft entscheiden können.

 

2. Aspekt: Aussagen vergessen

Als Lina ihren Sohn mittags abholt, ist das Gespräch über das Abholen mit dem Fahrrad bereits über 5 Stunden her. Für ein Kindergartenkind ist das eine Ewigkeit. Nils hat inzwischen so viel erlebt – Schönes, Belastendes, Entspannendes, Aufregendes. Er kann sich an das Gespräch gar nicht mehr erinnern.

Für ihn ist gerade nur präsent, dass er müde und genervt ist.

Seine Begeisterung und seine Zustimmung zum Vorschlag hat er komplett vergessen und wird sich auch nicht mehr daran erinnern. Selbst wenn seine Mutter ihm die Szene nochmals beschreiben würde. Dafür ist einfach viel zu viel seitdem passiert.

Eltern reagieren hierauf eben auch oft ungehalten. Doch es ist tatsächlich so, dass Kinder sich daran nicht erinnern.

 

Wie hat Lina nun tatsächlich reagiert?

Lina sieht ihren Jüngsten liebevoll an. Sie weiß aus unseren Gesprächen über die Tatsache des fehlenden Zeitgefühls Bescheid. Also geht sie in die Knie und sagt zu ihm: „Als ich dich heute Morgen gefragt habe, ob wir mit dem Fahrrad fahren, hast du das wirklich gewollt. Doch jetzt willst du nicht mehr. War der Vormittag für dich anstrengend und du bist ein wenig müde?“

 

Nils seufzt und sagt schlicht: „JA“.

 

Lina setzt sich auf die kleine Mauer neben dem Eingang zum Kindergarten, nimmt ihren Sohn auf den Schoß und umarmt ihn ganz fest. Sie sagt erst einmal nichts, sondern genießt den intensiven Kontakt zu ihrem geliebten Kind. Nils kuschelt sich an und bebt noch ein wenig vor sich hin. Doch Lina spürt, dass er sich langsam entspannt und ruhiger wird.

 

Dann redet sie mit ihm über seinen Vormittag, seine Empfindungen und über alles, was er erzählen will.

 

Als sie anschließend fragt: „So; ich bin mit den Fahrrädern da, das lässt sich leider nicht ändern. Was machen wir jetzt?“ antwortet Nils spontan: „Wir fahren los und machen auf dem Spielplatz eine Pause.“ Gesagt – getan. Der Nachmittag ist gerettet.

Das Kuscheln und Reden mit Nils auf der Mauer hat übrigens nur ca. 8 Minuten gedauert. Eine sinnvoll genutzte Zeit.

Nils fühlt sich angenommen und ernstgenommen. Und er kann sich erst einmal entspannen, bevor erst sich damit auseinandersetzt, dass er jetzt Fahrrad fahren soll, obwohl er das gerade nicht will.

Durch die verständnisvolle Reaktion seiner Mutter kann er auch wieder kooperieren und mit ihr zusammen eine Lösung für die Situation finden.

Außerdem stärkt es sowohl sein Selbstwertgefühl als auch die Beziehung zwischen den beiden. ❤

 

Teil 2 für Kinder älter als 6 Jahre im nächsten Blogartikel “Dein Kind und das Zeitgefühl – Teil2”

Und nun zu dir.

Hast du eine Idee, wo und wie du diese Erkenntnisse in deinem FamilienAlltagsChaos anwenden kannst?

Was willst du ändern?
Hast du Fragen dazu?
Wie sind deine Erfahrungen und Gedanken dazu?

Schreib mir in den Kommentaren. Ich freue mich darauf.

Herzliche Grüße

Cornelia Lupprian
Die Elternlotsin

 

 

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Cornelia Lupprian
Die Elternlotsin

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Weg von Unsicherheit, Überforderung und Frust

Hin zu Gleichwürdigkeit, Klarheit und Gelassenheit

Mein großer Herzenswunsch ist es, Familien zu helfen, wieder Lebensfreude und Leichtigkeit im Alltag zu erleben.
Mein Wissen aus den Aus- und Weiterbildungen wird ergänzt durch viele Jahre Erfahrung als Familienberaterin und Mutter.

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