Fragst du noch oder sagst du schon?

Signale setzen | Sprache in der Erziehung

 

“Fragst du noch oder sagst du schon?” –

Fragen sind nicht immer sinnvoll

 

Du willst etwas mit deinem Kind unternehmen oder du willst, dass dein Kind etwas tut.

1. Du holst dein Kind aus dem Kindergarten ab und willst endlich los
2. Dein Schulkind soll den Fernseher ausschalten
3. Du willst, dass dein Kind die Spülmaschine ausräumt

Du forderst dein Kind auf und es passiert – nix.

Einer der Hauptgründe könnte sein, dass deine Formulierung bei deinem Kind nicht als Aufforderung, sondern als eine Frage mit Wahlmöglichkeit angekommen ist.

Hast du vielleicht so etwas in der Art gesagt?

1. “Wollen wir mal endlich los !? “
2. “Kannst du mal bitte wie vereinbart den Fernseher ausschalten !?”
3. “Könntest du bitte mal die Spülmaschine ausräumen !?”

Du glaubst, das ist eine Aufforderung.
Dein Kind hört eine Frage und glaubt, die Wahl zu haben.

Was kannst du tun?

Sag was du willst. Formuliere klar, präzise und eindeutig

1. “Ich will jetzt nach Hause und ich will, dass du dir die Schuhe anziehst.”
2. “Ich will, dass du den Fernseher ausschaltest.”
3. “Räum bitte bis heute Abend die Spülmaschine aus.”

Sagen statt Fragen

Es ist keine Garantie, erhöht aber die Wahrscheinlichkeit, dass dir dein Kind folgt, enorm.
Probiere es aus – es lohnt sich.

 

Eine spezielle Frage schauen wir uns mal genauer an:
“Wie war´s im Kindergarten bzw. in der Schule?”

Kennst du diesen Satz? Nutzt du ihn?
Entweder so wörtlich oder anders formuliert. Gleich beim Wiedersehen – sofort oder etwas später.

Gilt übrigens für jede Art von Unternehmungen wie Übernachtungen bei Freunden/Omas oder Teilnahme bei Spielkreisen oder Ferienbetreuung usw.

Was antwortet dein Kind normalerweise?
Die allerhäufigsten Antworten sind “Gut” oder “OK”.

Und es sind die Antworten, die die meisten Eltern echt nerven.

Doch was soll dein Kind antworten?
Was willst du mit der Frage erreichen?

Es soll erzählen, berichten, erklären, dich an seinem Tag teilhaben lassen, in Kontakt mit dir kommen und dich umfassend informieren (hab´ ich was vergessen?).

Sehen wir uns das genauer an:

Dein Kind kommt aus einer Fremdbetreuung und hat aus seiner Sicht wirklich eine Menge erlebt; etwas lustiges und spaßiges, etwas enttäuschendes und frustrierendes, etwas, was Wut ausgelöst hat; vielleicht Sehnsucht nach dir; etwas beschämendes; die ganze Palette der Gefühle rauf und runter.

Es hat viel getan, erledigt, Aufträge abgearbeitet, selbst etwas kreatives gestaltet, sich viel bewegt, Kontakt mit vielen anderen Menschen gehabt.

Kommt dir das von deinem Tag bekannt vor?
Wie geht es dir, wenn dann jemand sagt: “Was hast du den ganzen Tag gemacht?”

Und nun ist es einfach nur froh, dich zu sehen, bei dir zur Ruhe zu kommen, wieder ganz und gar es selbst sein zu dürfen. Es spürt die Anstrengung des Vormittages und die vielen Reize, die noch nachwirken.

Und dann soll es Fakten aufzählen, Gefühle erklären, Handlungen beschreiben.

Und hat oftmals gar keine Ahnung, was du genau hören willst.

Viele Kinder können da gar nicht so ausführlich berichten, wie Mama oder Papa es hören wollen.

Kindergartenkinder haben noch kein ausgeprägtes Zeitgefühl. Sie wissen tatsächlich nicht mehr, was sie gespielt haben oder was es zu essen gab. Die Frage danach bringt sie in echte Not und häufig phantasieren sie oder ignorieren die Frage.

Schulkinder hingegen können sich schon an viele Fakten erinnern, doch sind sie noch so angefüllt von dem Erlebten, das sie erst einmal zu Ruhe kommen müssen, um es erzählen zu können.

Natürlich gibt es da noch die andere Art von Kindern, die kaum rauskommen aus dem Erzählen. Sie merken, dass es ihnen hilft, alles rauszulassen. Bei denen wünschen sich die Eltern manchmal einen Ausknopf. 😊

Was kannst du also anders machen?

Wenn du dein Kind siehst, spüre erst einmal deine Liebe – ganz tief und intensiv, wie in diesem Blogartikel beschrieben: Kleine Änderung – große Wirkung

Sei präsent und aufmerksam.
Dann nimm dein Kind in die Arme oder sieh es genau an und sage etwas, was wirklich guttut.

Sage etwas, wie:

“Wie schön, dich zu sehen”

“Ach, ich freue mich, dass du wieder bei mir bist.”

“Ich hab´ dich lieb und sehr vermisst. Gut, dass wir wieder zusammen sind.”

oder ähnliches.

Stell dir vor, nach einem harten Arbeitstag wirst du so beim Wiedersehen begrüßt.

Tut gut, oder?

 

Gib deinem Kind die Chance, erst einmal bei dir anzukommen.

Wenn du magst und kannst, erzähle von dir und deinem Tag.

Frage dein Kind eher nach einer Kombination von Gefühlen und Tatsachen.
Wie zum Beispiel: “Was war heute unangenehm für dich?” und “Was war heute das allerschönste für dich?”
oder nach einem puren Gefühl: “Du siehst etwas traurig aus. Magst du es mir erzählen?”

Akzeptiere, wenn dein Kind nicht erzählen will. Dränge es nicht weiter, hab Geduld und frage einfach später noch einmal.

Es zeigt dir mit seiner Weigerung, dir gleich und sofort etwas zu erzählen, seine eigene persönliche Grenze auf.

Probiere es aus, dein Kind erst einmal ankommen zu lassen und es liebevoll zu begrüßen, bevor du fragst und lass mich wissen, was du erlebst. Ich freue mich darauf.

Wie sind deine Erfahrungen und Gedanken dazu?

Herzliche Grüße

Cornelia Lupprian
Die Elternlotsin
Weitere Informationen und Anmeldemöglichkeit:
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Cornelia Lupprian
Die Elternlotsin

Ich lotse dich durch dein FamilienAlltagsChaos

Weg von Unsicherheit, Überforderung und Frust

Hin zu Gleichwürdigkeit, Klarheit und Gelassenheit

Mein großer Herzenswunsch ist es, Familien zu helfen, wieder Lebensfreude und Leichtigkeit im Alltag zu erleben.
Mein Wissen aus den Aus- und Weiterbildungen wird ergänzt durch viele Jahre Erfahrung als Familienberaterin und Mutter.

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